Amy und die geheime Bibliothek

von Alan Gratz
Carl Hanser Verlag, Auflage 3, 248 Seiten
Empfohlenes Alter: 9 – 11 Jahre

Inhalt

Amy liebt Bücher und das Lesen. Doch dann wird ihr Lieblingsbuch aus der Schulbibliothek verbannt – angeblich ist es ungeeignet für Grundschüler, respektlos und unmoralisch. Die sonst so zurückhaltende Amy ist empört: Es ist ein ganz tolles Buch! Und jeder sollte es ausleihen und lesen können! Als immer mehr Bücher aus den Regalen verschwinden, eröffnet Amy kurzerhand die G.S.B., die Geheime Schließfach-Bibliothek. Hier können ihre Mitschüler alle verbannten Bücher heimlich ausleihen. Schon bald boomt Amys Bibliothek, und gemeinsam schmieden die Kinder einen Plan, um sich gegen die Bücherverbannung zur Wehr zu setzen. Denn niemand soll ihnen vorschreiben, welche Bücher sie lesen dürfen!

Nachdem ihr Vater Amy ein eigenes Exemplar von Gilly Hopkins kauft, verleiht sie dieses aus Protest an andere Mitschüler. Außerdem will sie nach und nach alle anderen verbannten Bücher lesen, zum einen aus Neugier und zum anderen, weil sie die Schädlichkeit dieser Bücher anzweifelt. Ein paar Mitschüler stellen Amy zu diesem Zweck eigene Exemplare verbannter Bücher zur Verfügung, die sie nach dem Lesen wiederum weiterverleiht. Das ist der Beginn der G.S.B., der geheimen Schließfachbibliothek, denn ironischerweise führt die Verbannung einiger Bücher schließlich dazu, dass mehr und mehr Kinder genau diese Bücher lesen wollen und sie sogar die Schüler zum Lesen bringt, die normalerweise selten freiwillig zu einem Buch greifen – eigentlich ein sehr erfreulicher Nebeneffekt.

„Ein wunderbarer Roman … Gratz macht seinen jungen Lesern und Leserinnen Mut, die eigene Stimme zu erheben und sich zu wehren, privat und öffentlich. Er ist ein kluger feinsinniger Beobachter, der mit viel Humor und genialen Einfällen großes Lesevergnügen bereitet. Ein flammendes Plädoyer für das Recht auf Bücher.“ Rolf Brockschmidt, Der Tagesspiegel, 04.07.19

Über das Buch

Amy und die geheime Bibliothek ist eine wahrlich wundervolle Lektüre, insbesondere für bekennende Bücherwürmer, die man im Endeffekt aber viel zu schnell gelesen hat.
Zu Beginn ist die Protagonistin Amy noch sehr introvertiert und spricht aus verschiedenen Gründen so gut wie nie das aus, was sie wirklich denkt. Wenn man als Leser eher extrovertiert ist, hat man damit zunächst ein paar Schwierigkeiten, weil man schlicht nicht nachvollziehen kann, warum sie sogar ihren Eltern gegenüber nicht offen und ehrlich sagt, wenn sie etwa stört. Im Verlauf der Handlung ändert sich das jedoch allmählich als Amy beginnt, anderen ihre Ansicht mitzuteilen und dabei überrascht feststellt, dass Kommunikation manchmal der Schlüssel zum Erfolg ist und durchaus eine Veränderung herbeiführen kann.

Abgesehen davon ist Amy natürlich schon allein aufgrund ihrer Liebe zu Büchern überaus sympathisch. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in der Schulbibliothek und das Lesen ermöglicht es ihr ihrem chaotischen Leben für kurze Zeit zu entfliehen. Amy hat nämlich zwei jüngere Schwestern, die nahezu immer ihren Willen bekommen, während Amy als vorbildliche große Schwester häufig zurückstecken muss. Die fünfköpfige Familie lebt in einem recht kleinen Haus und Amy muss sich ein Zimmer mit ihrer Schwester Alexis teilen, weshalb sie sich verzweifelt nach einem Rückzugsort sehnt.

„Dass es verboten wird, ‘Harry Potter’ und andere Kinderbücher zu lesen, kann man sich nicht vorstellen. Und doch ist es in den USA sogar schon mal passiert. Vielleicht hilft diese Geschichte, solche Aktionen zu verhindern.“ Katharina Mahrenholz, Geolino, 01.04.19

Über den Autor.

Bücher- und Menschenfreund: Alan Michael Gratz wurde 1972 in Knoxville, Tennesee geboren und lebt heute mit seiner Frau und Tochter in North Carolina. Er studierte an der University of Tennessee Kreatives Schreiben und Englisch auf Lehramt. Schon als Kind wollte er Schriftsteller werden und gab diesen Traum nie auf. Nach zehn Jahren und über 60 Absagebriefen veröffentlichte er 2006 seinen Debütroman „Samurai Shortstop“. Mittlerweile hat er weit über ein Dutzend Bücher geschrieben und ist mehrfach ausgezeichnet worden, beispielsweise mit dem Sydney Taylor Book Award, dem National Jewish Book Award und dem Cybils Middle Grade Fiction Award. Gratz‘ Kurzgeschichten erschienen bereits im Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine und auf Tor.com. Er war an zwei Anthologien beteiligt, deren Erlöse den Opfern des Erdbebens und Tsunamis in Japan 2011 zugutekamen. Eine besondere Verbindung zu Japan baute er im Jahr 2010 auf, als er der erste „Artist in Residence“ an einer amerikanischen Schule in Tokio wurde, wo er sechs Wochen lang Mittelschüler Kreatives Schreiben lehrte. 2011 und 2017 verbrachte Gratz auch in Ohio und Jakarta einige Zeit als Stadtschreiber. Neben seinen Romanen für Kinder und junge Erwachsene schreibt Gratz auch Artikel für Zeitschriften, Werbe-Drehbücher und Theaterstücke

Mein nächster Buchtipp

“Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul”

von Verena Reinhardt